Wien: Zu eng für Sicherheitsabstand

Written by on 9. April 2020

Forscherinnen und Forscher zeigen, dass der dringend benötigte Mindestabstand in der Bundeshauptstadt nicht überall eingehalten werden kann.

Abstand halten und Hände waschen sind die wichtigsten Maßnahmen, um die schnelle Verbreitung von Corona einzudämmen. Dies ist der einfachste und effektivste Weg, an den sich alle zu halten haben. In Wien allerdings sind Gehsteige oft zu eng gebaut, um den nötigen Sicherheitsabstand von ein bis zwei Meter einhalten zu können. Deswegen fordert Infrastrukturministerin Leonore Gewessler, einzelne Straßen in den dicht bebauten Wohngegenden für motorisierten Verkehr zu sperren. Somit könne im öffentlichen Raum die hygienische Sicherheit erhöht werden.

Den Bedarf zeigt nun auch anschaulich eine Wien-Karte, die von den TU-Forschern für Raumplanung Aggelos Soteropoulos und Robert Kasalek entwickelt wurde. Besonders für Menschen über 65 Jahren und für Risikogruppen ist jede Bewegung an der Öffentlichkeit ein Sicherheitsrisiko für ihre Gesundheit, selbst wenn andere rücksichtsvoll ausweichen wollen -und dies wegen der engen Gehsteige nicht können.

Enge Gehsteige vs. alte Bevölkerung

Deswegen waren für die beiden Wissenschaftler zwei Faktoren für die Entwicklung der Karte entscheidend: Der Anteil der engen Gehsteige sowie der Anteil der über 65-Jährigen im jeweilen Gemeindebezirk. Hier zeigt sich: Die ältere Bevölkerung wohnt vor allem in den zentraleren Bezirken, enger sind die Gehsteige eher in den Außenbezirken.

Deswegen geben die TU-Forscher die Empfehlung ab, vor allem in den Innenbezirken 3 und 5 und in den Außenbezirken 18 und 22 Straßenflächen für den Autoverkehr zu sperren und somit die Gefahr einer Ansteckung zu minimieren. „Unsere Karten sollen einen evidenzbasierenden Überblick liefern und dabei helfen, die richtigen Straßen auszuwählen, die für Fußgänger geöffnet werden sollten“, sagt Aggelos Soteropoulos.

Screenshot der Karte von Wiener Forschern © TU Wien

Begegnungszonen und geöffnete Straßen

Die Wiener Politik plädierte schon längere Zeit auf diese Maßnahme. Vizebürgermeisterin Birgit Hebein gab bekannt, dass noch vor Ostern vier temporäre Begegnungszonen eingerichtet werden, und zwar im 3. Bezirk (Rechte Bahngasse), im 8. Bezirk (Florianigasse von der 2er-Linie bis Skodagasse), im 16. Bezirk (Hasnerstraße) sowie im 18. Bezirk (Schopenhauergasse). Nach den Feiertagen sind weitere Begegnungszonen geplant, und zwar in Leopoldstadt, Wieden, Margareten, Neubau und Favoriten. Die Zonen sollen zunächst bis Anfang Mai gelten, eine Verlängerung sei nach Evaluierung möglich.  

Zusätzlich werden zwanzig bisher gesperrte Straßen für Fußgänger geöffnet, z.B. die Habsburgergasse (1. Bezirk), Nordportalgasse (2. Bezirk) und Gallitzinstraße (16. Bezirk).

Links:
Aussendung der TU Wien


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