Technik rettet das Klima nicht

Written by on 22. Juni 2020

In einer neuen Studie wird betont, dass Technologie und Fortschritt die Klimakrise nicht lösen können. Essenziell ist die Einschränkung des Konsums und ein Umdenken der Wirtschaft.

In der Fachzeitschrift „Nature Communications“ wurde eine Studie der University of New South Wales veröffentlicht. Das Team um Thomas Wiedmann titelt in einem Überblicksartikel pointiert „Wissenschaftler-Warnung vor Reichtum“.

Die australischen Forscher betonen, dass globale Probleme nicht mit neuen Technologien allein gelöst werden können. Der Verlust von Biodiversität, die Klimaerwärmung und auch Umweltverschmutzung sind Herausforderungen, die nur mit schwerwiegenden Änderungen beantwortet werden können: „Wir müssen unseren Lebensstil des Überflusses verändern und übermäßigen Konsum verringern“, so Wiedmann.

Zwar erhöhe sich mit technologischer Verbesserung die Effizienz, das Wirtschaftswachstum überhole diesen Zuwachs jedoch. „Technik kann dazu beitragen, effizienter zu konsumieren sowie Energie und Ressourcen zu sparen. Aber das hält nicht Schritt mit dem Wachstum des Konsums.“

Aus den besser gestellten Gesellschaftsschichten stammen dabei die größten Sünder. „Der Konsum wohlhabender Haushalte ist weltweit jener Faktor, der sich am stärksten auf Umwelt und Gesellschaft auswirkt“, sagt der Studien-Koautor Lorenz Keysser von der ETH Zürich. Eine langfristige Umkehr bei Fragen wie dem Klimaschutz kann nur mit einer nachhaltigen Änderung des Lebensstils einhergehen. Diese Verantwortung könne jedoch nicht auf das Individuum abgewälzt werden, sondern es brauche Veränderungen in gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen.

Strukturelle Änderungen notwendig

Auch Wiedmann spricht sich deutlich für einen Paradigmenwechsel in der Wirtschaftswelt aus: „Persönliche Versuche, den Lebensstil zu verändern, sind zum Scheitern verurteilt. Wir müssen wegkommen von der Obsession des Wirtschaftswachstums und Wirtschaft so gestalten, dass sie das Klima und die natürlichen Ressourcen schützt – auch wenn das kein oder ein negatives Wachstum bedeutet.“ Als gelebtes Beispiel bringt er Neuseeland ins Spiel, das 2019 ein „Wellbeing Budget“ veröffentlicht hat. In dieses fließen neben finanziellen Indikatoren auch soziale und ökologische Parameter ein.

Es sei ein Mythos, an grünes und nachhaltiges Wachstum zu glauben. „Solange Wirtschaft und Bevölkerung wachsen, kann auch technologischer Fortschritt die Folgen nicht verringern“, sagt Wiedmann. Die Vorschläge der Forscherinnen und Forscher: höhere Steuern für Superreiche, Ökosteuern, Investitionen in ökologisch wertvolle Projekte, Grundeinkommen und Arbeitszeitverkürzung.

Links:
Artikel in „nature communications“
Info zum Wellbeing Budget Neuseelands



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