Supercomputer dank weltweiter Zusammenarbeit

Written by on 27. März 2020

Die ganze Welt erlebt gerade eine Ausnahmesituation, die nun neben viel menschlichem Zusammenhalt auch Positives in der Technologie hervorgebracht hat: Sage und schreibe und 1.000.000.000.000.000.000 Berechnungen pro Sekunde kann ein neuer Supercomputer bewältigen.

Wissenschaftler der Washington University riefen Anfang März zur Mithilfe bei der Forschung an einem Mittel gegen das Coronovirus auf. Die dafür benötigte Rechenleistung holten sie sich weltweit. Jeder konnte das Programm „Folding@Home“ auf seinem Computer installieren und somit die nicht gebrauchte Leistung des Geräts zur Verfügung stellen. Derzeit arbeitet das Programm auf rund 110.000 Computern.

Der PC kann weiterhin normal verwendet werden, nur im Hintergrund läuft das Programm der Wissenschaftler und führt medizinische Berechnungen durch. Der Name Folding@Home ist mit dem Forschungsziel erklärt: Ziel ist es, den Mechanismus der Proteinfaltung zu erforschen und die Ursachen für Fehlfaltungen herauszufinden. Langfristig soll damit ein Heilmittel gegen COVID-19 entwickelt werden.

Forschungsleiter Greg Bowman präsentiert ein erstes Modell des Spike-Proteins von COVID-19. Die Bezeichnung Demogorgon ist dabei eine Anspielung auf ein Monster aus der Netflix-Serie „Stranger Things“.

Neuer Rekord

Aufgrund der zahlreichen Teilnahme können nun 1.000.000.000.000.000.000 Gleitkommaoperationen pro Sekunde (eine bestimmte Art der Berechnung) durchgeführt werden. Die Einheit für diese Berechnungsleistung ist ein exaFlop. Damit schlagen die Wissenschaftler mit ihren 110.000 teilnehmenden Computern den Supercomputer „Summit“ von IBM, der lediglich einen Spitzenwert von 200 PetaFlops erreicht. Folding@Home rechnet zwar mit einem anderen Datenformat, ist aber trotzdem deutlich schneller als sein Kontrahent von IBM.

Derzeit haben die Betreiber von Fold@Home jedoch ein Problem: Da der Zuspruch weltweit unerwartet groß ist, haben die Server der Washington University mit Ausfällen zu kämpfen. Auf Twitter bat der Forschungsleiter Greg Bowman um Geduld, bis die Serverprobleme behoben sind.

Kein neues Programm

Dabei ist Folding@Home kein neues Programm. Die ersten Ideen dazu entstanden bereits im Jahr 2000, damals unter der Leitung von Vijay Pande. Seitdem wurde es kontinuierlich weiterentwickelt. Forschungseinrichtungen konnten sich weltweit und kostenlos an Folding@Home beteiligen und die Ergebnisse werden ebenso kostenfrei der Wissenschaft zur Verfügung gestellt. Greg Bowman entwickelte zusätzlich eine Open Source-Software. Das Programm wird für die Forschung an verschiedenen Krankheiten benutzt, darunter Krebs, Alzheimer und Chorea Huntington. In den letzten Wochen erhielt es weitreichende Bekanntheit, weil es nun für die Forschung am aktuellen Coronavirus genutzt wird.

Links:
Webseite von Folding@Home


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