E-Autos aufladen während der Fahrt

Written by on 30. Juni 2020

Eine Innovation der Firma Electreon erfährt nun einen zweiten Live-Test in Israel, wo Kupferspulen unterhalb einer Straße verlegt wurden.

Die Anzahl der E-Fahrzeuge auf den Straßen steigt erfreulich schnell, vielerorts wächst jedoch die Infrastruktur nicht mit, die für das Aufladen notwendig ist. Die nach wie vor geringen Reichweiten und wenigen Ladestationen brachten die israelische Firma Electreon dazu, die Straße selbst umzufunktionieren. Der Ladevorgang passiert somit während der Fahrt.

Dafür müssen die Straßen erst umgebaut werden. Electreon verlegte bereits 2019 elektrische Kupferspulen unter dem Asphalt in einem Straßenabschnitt und konnte so beweisen, dass ihr Ansatz funktioniert. Im ersten Test in Gotland für das „Smartroad“-Projekt konnte ein elektrischer LKW erfolgreich aufgeladen werden. Die nächste Teststrecke soll bis Ende des Jahres in Tel Aviv errichtet werden.

Zeitsparend und günstiger

Zunächst sollen elektrische Fahrzeuge des öffentlichen Verkehrs von der Ladestrecke profitieren, geeignet sind kleine Modelle wie Shuttle-Busse. Mit freiem Auge ist kein Unterschied zu normalen Straßen erkennbar. Tel Aviv plant den Umbau einer Strecke von zwei Kilometern. Wenn der Testlauf erfolgreich ist, will die israelische Stadt die Smartroad ausbauen. Die geplante Strecke liegt zwischen dem Bahnhof und der Universität, wo bereits elektrische Shuttle-Busse unterwegs sind.

Diese Infrastrukturänderung ist laut Electreon relativ günstig und auch schneller errichtet im Vergleich zum Bau von Ladestationen, da diese zusätzliche Leitungen benötigen. Die Kosten für die Straße in Schweden beliefen sich auf ca. 12 Millionen US-Dollar, wobei die Spulen alle 6 bis 8 Jahre ersetzt werden müssen. In Zukunft sollen auch private E-Autos von dieser zeitsparenden und günstigen Variante zum Aufladen profitieren können.

Kleinere Batterien

Ein weiterer Vorteil dieses Konzepts ist die Verkürzung von stationären Ladezeiten. Sollte sich diese Technologie verbreiten, müssten sich Autohersteller den Kopf weniger über größere und effizientere Batterien zerbrechen und auch die Besitzer hätten weniger „Reichweitenangst“. Ein Bus mit einer 350-kWH-Batterie könne 200 Kilometer ohne Aufladung fahren. Würde er mindestens die Hälfte der Zeit auf den präparierten Straßen verbringen, könnte die Kapazität der Batterie auf 30 kWh verringert werden. Dafür dürften die Busstationen maximal 20 Kilometer voneinander entfernt liegen. Dies würde auch eine große Kostenersparnis beim Ankauf der Fahrzeuge bedeuten.

Zwar liegt der Wirkungsgrad der Straßen laut Electreon bei 87 bis 90 Prozent, je nachdem, ob man dynamisch oder statisch lädt. Derzeit ist es jedoch noch ein weiter Weg, da erst massive Infrastrukturmaßnahmen gesetzt werden müssten, damit auch Taxis, LKWs und Privatfahrzeuge von dieser komfortablen Möglichkeit profitieren können.

Links:
Electreon
Bericht auf Electrek

Fotocredit: Screenshot Electreon


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