Rätsel gelöst: Kollision tarnte sich als Exoplanet

Written by on 21. April 2020

Ein 2008 entdeckter Planet verhielt sich jahrelang ungewöhnlich, bis er verschwand. Nun wurden die Eigenarten endgültig geklärt.

Der Exoplanet namens Fomalhaut b sorgte unter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern seit seiner Entdeckung vor zwölf Jahren für einige Rätsel. Auch das letzte Mysterium dürfte nun aufgeklärt worden sein. Die Lösung: Der Exoplanet hat nie existiert. Einer Studie von Astronomen an der Universität Arizona zufolge seien sämtliche Beobachtungen auf eine kosmische Kollision zurückzuführen.

Bei seiner Entdeckung war Fomalhaut b ungewöhnlich hell und konnte deswegen direkt mit dem Hubble Teleskop beobachtet werden. Der Nachweis eines Exoplaneten erfolgt in der Regel indirekt, indem die Licht- und Schattenverhältnisse seiner Umgebung gemessen und ausgewertet werden. Denn Exoplaneten sind normalerweise zu klein, um genug Licht für eine direkte Beobachtung zu reflektieren. Trotz seiner ungewöhnlichen Helligkeit wies Fomalhaut b zudem keine messbare Infrarot-Wärmesignatur auf. Diese Signatur hätte eigentlich nachweisbar sein sollen, da es sich wegen seiner Wärmeabstrahlung um einen sehr jungen Planeten handeln müsste. Denn jener Stern, um den Fomalhaut b kreist, wird auf ein Alter von „nur“ 440 Millionen Jahren geschätzt und weist einen Staubring auf.

Einzigartige Beobachtung

Im Jahr 2014 geschah dann Merkwürdiges: Fomalhaut b war verschwunden.  „Offensichtlich hat Fomalhaut b Dinge getan, die ein echter Planet nicht tun sollte“, sagt András Gáspár, Mit-Autor der Studie, in einem Statement. Nach einer weiteren Analyse der Daten aus dem Hubble Teleskop ergab die Untersuchung, dass Fomalhaut b nie ein Planet gewesen sein kann, sondern Spuren einer kosmischen Kollision.

Bei solchen Kollisionen entstehen Staubwolken, die sich verbreiten und dann nach und nach verblassen. „Diese Kollisionen sind äußerst selten und daher ist dies eine große Sache, bei der wir tatsächlich Beweise dafür sehen“, sagt Gáspár. “Wir glauben, dass wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren, um ein so unwahrscheinliches Ereignis mit dem Hubble-Weltraumteleskop der NASA mitzuerleben.” Denn solche Kollisionen finden wahrscheinlich nur alle 200.000 Jahre statt.

Der vermeintliche Exoplanet Fomalhaut b und seine expandierende Staubwolke. © Bild: NASA, ESA, A. Gáspár and G. Rieke/UArizona

Trümmerfeld

Der Zusammenprall sei laut den Forschern erst unmittelbar vor der ersten Entdeckung durch das Hubble Teleskop geschehen. Die beiden kollidierenden Objekte sollen einen Durchmesser von circa 200 Kilometer gehabt haben und bestanden wahrscheinlich aus Stein und Eis. Die nunmehrige Trümmerwolke enthält Staubpartikel, die die Größe von einem Fünfzigstel eines Menschenhaares haben.

Die Wolke hat mittlerweile die Größe der Erdumlaufbahn um die Sonne.  „Wir haben Hinweise auf solche Kollisionen in anderen Systemen, aber in unserem Sonnensystem wurde keine dieser Größenordnungen beobachtet. Dies ist eine Blaupause dafür, wie Planeten sich gegenseitig zerstören”, erklärt George Rieke, ebenfalls Mit-Autor der Studie.

Links:
Studie der University of Arizona
Artikel auf UA News


Continue reading

Current track

Title

Artist

Background