Parler: Amazon zieht Stecker für Hosting-Server

Written by on 11. Januar 2021

Das in Verruf geratene Online-Netzwerk verlor nun auch den von Amazon zur Verfügung gestellten Host-Server, nachdem es bereits von Apple und Google gesperrt wurde.

Das Online-Netzwerk Parler wird nun auch nicht mehr auf den Servern von Amazon gehostet. Der Dienst ist stark umstritten, da er besonders von Rechtsradikalen benutzt wird. Amazon zog deswegen Konsequenzen und löschte das Cloud-Hosting-Angebot für Parler. Bis das Netzwerk einen neuen Anbieter aufgetrieben hat, wird es vorübergehend nicht verfügbar sein.

Amazon folgt damit zwei anderen großen Playern: Sowohl Google als auch Apple löschten die App aus den Stores, nachdem das US-Kapitol von rechten Gruppen gestürmt worden war. Parler war zuletzt ein Zufluchtsort für Rechtsradikale, die bereits von anderen Plattformen geflogen waren.

Erhöhtes Risiko

Amazon erklärte diesen Schritt in einem Brief an Parler. Laut Meinung des Online-Handelsriesen habe das Netzwerk nicht genügend Schritte gesetzt, um gewalttätigen Inhalten Einhalt zu gebieten. „Wir haben eine stetige Zunahme dieser gewalttätigen Inhalte auf Ihrer Website gesehen, die alle unsere Nutzungsbedingungen verletzen“, schrieb Amazon als Stellungnahme. Nach dem Sturm auf das Kapitol bestehe ein „ernsthaftes Risiko, dass diese Art von Inhalten weiter zur Gewalt anstacheln wird.“

Es könne nun „bis zu einer Woche dauern, bis Parler wieder online sei, so dessen Gründer Matz. „Wir werden unser Bestes tun, um sofort zu einem neuen Anbieter zu wechseln“, bekräftigte Matz auf seinem Profil.

Tummelplatz für Rechtextreme

Parler besteht seit 2018 und war in letzter Zeit zu einem Sammelplatz für rechtsextremistische und gewaltbereite Personen geworden, nachdem große Netzwerke wie Facebook und Twitter aktiv gegen gewaltverherrlichende und rassistische Inhalte vorgehen. Entsprechende Nutzer wurden verdrängt und fanden sich auf weniger bekannten Plattformen wie Parler, Newsmax und Rumble wieder. Darunter befanden sich viele Unterstützer des noch amtierenden US-Präsidenten Donald Trump, die seinen Wahlbetrugsvorwürfen Glauben schenkten.

Kuriose Entwicklung: Parlor statt Parler

Inzwischen gibt es auf den App-Stores eine kuriose Entwicklung: Die App „Parlor“ kann infolge der Abschaltung des fast gleichnamigen Parler neue Downloadrekorde verbuchen. Parlor bezeichnet sich als Social Talking App zu verschiedenen Themen, die ähnliche Funktionen wie Dating-Apps verwendet. Bis Dezember ist die App laut Sensor Tower nur 40.000 Mal heruntergeladen worden. Auf deren Webseite finden sich keine Informationen zu den Inhabern oder Entwicklern, ihr Rating in den App Stores ist mit 2,6 (Apple) und 2,9 (Google) verhältnismäßig schlecht.


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