Neue Berechnungen zeigen: Infektionspeak überschritten

Written by on 20. April 2020

Neu veröffentliche Simulationen geben den Peak mit Anfang April an. Vorsicht ist dennoch geboten, da eine zweite Welle nicht ausgeschlossen ist.

Das namhafte Team von Niki Popper an der Technischen Universität Wien ist mittlerweile für diverse Simulationsmodelle zur Ausbreitung des Coronavirus in Österreich bekannt. Für eine Zwischenbilanz haben die Wissenschaftler nun die Entwicklung der bisherigen Infektionszahlen betrachtet und die Entwicklungen der Epidemie unter die Lupe genommen.

Die Spitze der Erkrankten wurde demnach bereits Anfang April erreicht. Daraus leiten die Experten ab, dass die Anzahl der Infektionen inklusive Dunkelziffer zwei Wochen davor stattgefunden hatte.

Zeitverzögerung

In einer Aussendung des Teams heißt es: “Unsere Simulationen zeigen, dass wir den Höhepunkt der Krankheitszahlen der vergangenen Welle schon länger hinter uns haben, als die offiziellen Zahlen zeigen. Gleichzeitig mahnt uns das allerdings auch zur Vorsicht”. Denn sollten nach den Lockerungen der Maßnahmen die Zahl der Infektionen wieder wachsen, schlage sich dies wieder mit einer zeitlichen Verzögerung in den Statistiken nieder. „Das heißt, wir können den Anstieg in den Tests erst dann bemerken, wenn die wahre Zahl der Infektionen in der Bevölkerung bereits deutlich angestiegen ist”, so der Forschungsleiter Niki Popper.

Antizyklisch handeln

Diese Zeitverzögerung führt zu der Handlungsempfehlung, antizyklisch zu handeln. Auch wenn sich die Anzahl der Krankheitsfälle gerade sehr positiv entwickelt, könnten gerade jetzt die Infektionen wieder steigen. Augenmaß ist hier gefragt: „Es ist in vielen Bereichen wichtig, zu einer neuen, weniger strengen Normalität zu finden. Dabei müssen wir vorsichtig vorgehen, weil wir eine zweite Welle der Infektion nicht sofort an den offiziell bestätigten Zahlen erkennen würden, sondern wieder erst mit Verzögerung. Diese Balance zu finden, ist eine schwierige politische und gesellschaftliche Aufgabe, wir hoffen mit unseren Modellen einen Beitrag dafür liefern zu können”, erklärt der Leiter des Simulationsteams.

Die Spitzen der verschiedenen Stadien sind verschoben. © TU Wien

Verschiebungen in Darstellung

Die Analyse der vergangenen Wochen zeige, wie sich die zeitlichen Verläufe von Dunkelziffer und bestätigten Krankheitsfällen unterscheiden. Man könne auch nicht einfach die Dunkelziffer ermitteln, indem die Anzahl der Erkrankten mit einem bestimmten Faktor multipliziert werden. Die Dunkelziffer sei prozentuell nicht gleichbleibend. Außerdem gebe es laut den Simulationen verschiedene Arten von Dunkelziffern.

In den Berechnungen zeigen sich unterschiedliche Höhepunkte je nach Stadium bzw. Schweregrad der Erkrankung. Einerseits vergeht eine gewisse Zeit, bis Infizierte Symptome zeigen und bis diese getestet werden. Anderseits dauert die Erkrankung laut der von der TU ausgewerteten Daten unterschiedlich lang. Personen ohne Symptome dürften die Infektion schnell überstehen, schwerer Erkrankte, die mitunter im Krankenhaus behandelt werden müssen, leiden länger unter COVID-19. Diese Faktoren wurden im Simulationsmodell berücksichtigt, deswegen sind in der Darstellung die Kurven gegeneinander verschoben.

Links:
Forschungsinstitut dwh


Current track

Title

Artist

Background