Mars-Rover: Steuerung aus dem Home Office

Written by on 22. April 2020

Auch mit teils improvisierten Arbeitsbedingungen kann die Curiosity-Mission erfolgreich fortgesetzt werden.

Selbst auf ein 200.000.000 Kilometer entferntes Objekt hat die derzeitige Coronakrise Auswirkungen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Mars-Rover-Teams sitzen wie viele Millionen Menschen ebenfalls im Home Office. Die Wissenschaftler am Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in La Cañada Flintridge, Kalifornien, ist für die Mission des Rovers „Curiosity“ verantwortlich und muss die Steuerung vom eigenen Heim aus übernehmen.

Neues Büro, alte Arbeitsweise

Dabei sei Tele-Arbeit für das Team an sich nicht fremd, ist der Kollege „Curiosity“ doch schon länger in einiger Entfernung unterwegs. Gesteuert wird normalerweise aus dem JPL-Büro, seit 20. März ist dieses jedoch verwaist. Um von zuhause aus weiter tätig sein zu können, wurden zunächst Maßnahmen ergriffen, die viel andere im Home Office ebenfalls kennen: Monitore wurden installiert, Headsets vergeben, Tools für Chats und Videokonferenzen eingerichtet.

„Wir sind normalerweise alle in einem Raum und teilen Bildschirme, Aufnahmen und Daten“, erklärt die Teamleiterin und Astrophysikerin Alicia Allbaugh. „Die Leute tauschen sich in kleinen Gruppen miteinander aus.“ Diese Arbeitsweise auch im Lockdown beizubehalten beanspruchte einige Zeit. Die Manöverplanung des Mars-Rover, die täglich neu geplant wird, hat sich um ein bis zwei Stunden verlängert. Mittlerweile hat sich das Team wieder eingespielt.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler müssen derzeit auch auf ein spezielle 3D-Brillen verzichten, mit denen normalerweise Bilder vom Mars betrachtet werden. Zwar sind sie kommerziellen VR-Brillen sehr ähnlich, jedoch brauchen sie für die Datenverarbeitung einen leistungsstarken Computer. An deren Stelle verwendet das Team nun einfachere rot-blaue Linsenbrillen. Auch damit lassen sich die Routen des Rovers und die Bewegungen des Greifarms gut planen.

Im Februar schoss „Curiosity“ ein faszinierendes Selfie vom Mars. © NASA/JPL-Caltech/MSSS

Mission läuft weiter

Trotz Corona-Lockdown arbeitet Curiosity unermüdlich weiter. Am 20. März erhielt der Rover die Anweisungen zu einer Felsbohrung. Auf einem Areal mit dem Namen „Edinburgh“ wurde die Bohrung einige Tage später durchgeführt. Bevor die Befehle geschickt wurden, waren einige Tests und ein Übungsdurchlauf gemacht worden.

Auch fast acht Jahre nach Curiositys Landung auf dem roten Planeten gelingt es dem JPL-Team trotz der improvisierten Bedingungen, weiterhin faszinierende Bilder aufzunehmen und aufschlussreiche Daten zu erheben.

„Das ist klassisches Nasa-Vorgehen“, sagt Carrie Bridge, wissenschaftliche Leiterin des Teams. „Wir haben ein Problem und müssen herausfinden, wie wir es lösen können, damit alles wie gewohnt funktioniert. Immerhin steht der Mars nicht still für uns.“

Links:
Informationen rund um das Selfie des Mars Rover
Felsbohrung am Areal „Edinburgh“
Bildergalerie der Fotoaufnahmen des Mars Rover


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