Forscher warnen vor Corona-Rebound

Written by on 7. April 2020

Der Simulationsexperte Niki Popper von der TU Wien warnt vor Rückschlag bei der Eindämmung von Corona.

Die bisherigen Maßnahmen zu Physical Distancing hätten die Verbreitung des Coronavirus erstaunlich gut eingedämmt, dennoch müsse nun Vorsicht walten. Es bestehe die Gefahr eines Rebounds, also eines Rückschlags. So lautet die Kernaussage eines Expertengesprächs an der Universität Linz am vergangenen Montag. Niki Popper von der TU Wien warnt, dass Österreich trotz der bisherigen Erfolge „wieder an den Startpunkt“ kommen könnte.

In dem Online-Gespräch der Uni Linz bescheinigt er den gesetzten Maßnahmen ein gutes Zeugnis. Gleichzeitig warnt der Simulationsexperte davor, sich nun in Sicherheit zu wägen. Es gebe noch keine Herdenimmunität, also eine statistisch relevante Immunisierung der Gesellschaft. Die Zahlen könnten folglich schnell wieder steigen, dies betrifft sowohl die Anzahl der Infizierten, Hospitalisierten, Intensivpatienten wie auch Toten.

Gefahr des Rebounds

Wenn sich die Menschen in Österreich nach Ostern weniger an die Vorgaben der Regierung halten, könne mit einem Zeitversatz von fünf bis sieben Tagen wieder alles zunichtegemacht werden. Diese „sehr infektiöse Krankheit“ konnte hierzulande bisher unter Kontrolle gebracht werden, und das ohne die Überlastung der Krankenhäuser. Deswegen hält Popper, der am TU-Spin-off dwh arbeitet, die bisherigen Maßnahmen nicht für überzogen.

Besonders die Zahl der Kontakte wirke sich schnell auf die Anzahl der Infizierten aus. „Wir fahren immer noch mit relativ hoher Geschwindigkeit auf der Autobahn“, so Popper. Deswegen müsse die Rücknahme der Maßnahmen vorsichtig geschehen. Dies zeigen zwar die Simulationen, die Prognosen seien aber nur auf wenige Tage hin verlässlich.

Als alternativlos sieht Gerald Pruckner von der Abteilung für Gesundheitsökonomie am Institut für Volkwirtschaftslehre der Uni Linz, dass viele Kapazitäten an Krankenhäusern für COVID-19-Patientinnen und Patienten freigemacht wurden. Österreichweit sind dies 1.000 Intensivbetten, die derzeit von 250 Corona-Erkrankten belegt sind.

Faktor Dunkelziffer

Die große Unbekannte bleibt die Dunkelziffer der Corona-Infizierten und auch übersehene Todesopfer. Dafür sei die Anzahl der hospitalisierten COVID-19-Erkrankten ein belastbarer Richtwert. Es sei demnach eine umso bessere Nachricht, dass die Zahl der im Spital behandelten Infizierten relativ niedrig sei. Wenn es gelingt, eine zweite Epidemiewelle abzufangen, könnten bald wieder Kapazitäten für Patientinnen und Patienten zur Verfügung stehen, die derzeit auf Operationen und Untersuchungen warten müssen. Welchen “Kollateralschaden” die Coronakrise in der Gesundheitsversorgung des Landes hinterlassen könnte, lasse sich “im Moment nicht quantifizieren”, sagte Pruckner.

Ein erster Peak des Ausbruchs in Österreichs sei wahrscheinlich bereits am vergangenen Freitag erreicht worden, so Andreas Quatember vom Institut für angewandte Statistik der Uni Linz. Dies ergibt sich aus dem Vergleich der Neuinfektionen gegenüber den Genesenen und Verstorbenen.

Ein wenig mehr Licht ins Dunkel würden die Auswertung der zufällig getesteten Stichproben bringen, die letzte Woche durchgeführt wurden und in den folgenden Tagen präsentiert werden. Aber auch dann dürfte die Dunkelziffer der Erkrankungen noch groß sein, da laut Quatember unter den Getesteten vermutlich nur wenige positive Ergebnisse zu finden sein werden.

Links:
Forschungsinstitut dwh


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