Fledermäuse sind „superimmun“ gegen Corona

Written by on 8. Mai 2020

Die Fledermaus ist zwar Überträger von Sars-CoV-2, kann aber daran nicht erkranken.

An der kanadischen Universität von Saskatchewan (USask) konnte erforscht werden, wieso Fledermäuse den MERS-Erreger übertragen können, selbst aber keine Erkrankung davontragen. Derzeit wird davon ausgegangen, dass sich Coronaviren wie MERS, SARS und das aktuell grassierende SARS-CoV-2 im Organismus dieser Tiere entwickelt haben. Bisher war kein Grund bekannt, wieso die Fledermäuse nicht erkranken, die Viren beim Menschen aber schwere – bis zu tödliche – Folgen haben können.

Die Forschungsarbeit wurde nun in ScienceDaily veröffentlicht. „Die Fledermäuse tragen das Virus und werden dennoch nicht krank. Wir wollten verstehen, warum das MERS-Virus das Immunsystem der Fledermäuse nicht wie beim Menschen abschaltet“, sagte der USask-Mikrobiologe Vikram Misra.

In der Studie der kanadischen Forscher wird gezeigt, dass das MERS-Virus über Monate in den Zellen einer Großen Braunen Fledermaus (Eptesicus fuscus) nachweisbar war, ohne Folgen für das Tier zu haben. Diese erstaunliche Fähigkeit geht auf eine besondere Eigenschaft des Immunsystems der Fledermaus zurück.

Koexistenz im Wirtkörper

„Anstatt Fledermauszellen abzutöten, wie es das Virus mit menschlichen Zellen tut, geht das MERS-Coronavirus eine langfristige Bindung zu seinem Wirt ein, die durch das einzigartige ‘Superimmunsystem’ der Fledermaus aufrechterhalten wird“, so Misra. “Wir gehen davon aus, dass SARS-CoV-2 auf die gleiche Art und Weise funktioniert”.

Im Gegensatz zum Menschen erzeugen Fledermauszellen keine entzündungsfördernden Proteine, wenn diese mit dem MERS-Virus infiziert werden. Im Tierkörper wird eine antivirale Reaktion freigesetzt, die im humanen Organismus vom Virus blockiert wird.

Das Virus sorgt somit nicht für eine Erkrankung der Fledermäuse. Es verbringt längere Zeit im Tierkörper, wird aber irgendwann vom Immunsystem vernichtet. Wenn das Immunsystem geschädigt ist, kann die virale Krankheit jedoch ausbrechen und auch andere Lebewesen infizieren. Auch äußere Einflüsse könnten zur Schwächung dieser Tiere führen. Auf den in Verdacht geratenen chinesischen Lebendmärkten („Wet Market“) könnte demnach das Immunsystem der Fledermäuse geschwächt worden sein.

Weitere Studien

In weiteren Studien möchte das Forscherteam der USask herausfinden, wie sich das Virus auf Zellen von Kamelen und Menschen auswirkt. Damit könnte das Verhalten neuer Viren in Zukunft besser vorausgesagt werden.

Links:
Bericht auf Science Daily


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