Facebook startet Kampagne gegen Fake News

Written by on 22. Juli 2020

Der Social Media-Gigant Facebook richtete eine eigene Informationsseite ein, die helfen soll, Fake News zu erkennen. Experten sehen zwar einen positiven Schritt, die Umsetzung könnte entschiedener sein.

Nirgends verbreiten sich Fake News so schnell wie auf Social Media – denn auf Facebook, Twitter oder Instagram sind auch fragwürdige Themen schnell geteilt. Jeder kann seine Inhalte einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, er muss sich dabei lediglich an die Richtlinien der Plattform halten. Dabei gibt es keine Gewährleistung, dass die transportierten Informationen auch korrekt sind. Nicht zuletzt aufgrund gefährlicher Desinformation während der Corona-Pandemie stehen auch die Betreiber in der Kritik. Selbst große Werbekunden wie VW und Coca-Cola sehen mittlerweile davon ab, auf Facebook Werbung zu schalten. Facebook setzt nun erste Schritte, um Falschmeldungen und Hasspostings entgegenzutreten.

In einer neuen Werbekampagne möchte Facebook seine Nutzer dazu aufrufen, Informationen zu hinterfragen und ihnen Medienkompetenz näherbringen. Mögliche Fragestellungen sind „Woher stammt der Inhalt?“, „Was fehlt?“ und „Welche Gefühle löst ein Beitrag aus?“.

Kritik an oberflächlicher Aufklärung

Die Anzeigen sind mit einem Link hinterlegt, der auf die Seite stampoutfalsenews.com verweist. Die Kampagne soll Maßnahmen unterstützen, die Facebook bereits zuvor eingeführt hat. Experten befürworten die Tipps von Facebook, wünschen sich aber mehr Tiefgang: „Das sind Tipps, die wir auch geben würden, allerdings fehlt der Tiefgang, weiterführende Links und Anleitungen, beispielsweise wie man Suchmaschinen für die Bildersuche nutzt“, so Andre Wolf von der Aufklärungs-Plattform Mimikama.

Positiv äußert sich auch epicenter.works, sprechen sich aber ebenfalls dafür aus, tiefergehende Informationen zur Verfügung zu stellen. Sie schlagen vor, Webseiten wie psiram.com oder kobuk.at zu verlinken. Diese beschäftigen sich mit Faktenchecks, psiram mit der Durchleuchtung von Verschwörungstheorien und kobuk mit Zeitungen – denn selbst seriösen Medien können faktische Fehler unterlaufen.

Fact Checking

 Auch auf Facebook sind Fact Checker unterwegs. Die Plattform arbeitet z.B. in Österreich mit der APA und der deutschen Presseagentur zusammen. Stufen diese einen Beitrag auf Facebook als irreführend ein, wird dieser markiert und deutlich seltener angezeigt. Nutzer, die diesen Beitrag geteilt oder mit einem „Like“ versehen haben, werden darüber informiert.

Diese Faktenrecherchen benötigt jedoch Zeit – zu viel Zeit, wie Wolf von Mimikama findet: „Social Media Plattformen sind schnelllebig und wenn erst nach 2 Wochen ein Faktencheck auftaucht, ist das zu spät“, meint er. Problematisch ist auch, dass zugespitzte Postings besonders viel Interaktion hervorrufen und Facebook eigentlich in die Karten spielen. Facebook muss aber bemüht sein, seine Kanäle seriös zu halten, um Werbekunden nicht abzuschrecken.

Zurückhaltung bei Politikern

Eine Ausnahme beim Faktencheck genießen Politiker, solange sie mit den veröffentlichten Inhalten keine Menschenleben gefährden oder durch Falschinformationen Menschen von Wahlen abhalten. Facebook überlegt jedoch, in Extremfällen auch Politikerprofile strenger zu betreuen und manche Postings zu markieren.

In den USA erfolgt diese Art des Fact Checking im Vorfeld des Präsidentschafts-Wahlkampfes bereits automatisiert. Bestimmte Schlüsselwörter werden immer markiert und mi einem Hinweis auf eine neutrale und gesicherte Quelle versehen, gleich in welchem Zusammenhang.

Auch in Zukunft wird es wohl nicht möglich sein, Fake News gänzlich von Facebook fernzuhalten, da die Inhalte von den Nutzern selbst generiert würden. Laut epicenter.works setze Facebook im Gegensatz zu Twitter immerhin ernstzunehmende Schritte gegen Falschmeldungen. Plattformbetreiber könnten durch strengere gesetzliche Regelungen zu mehr Kontrolle verpflichtet werden. In Deutschland gibt es bereits ein Netzwerkdurchsetzungsgesetz, nach dessen Vorlage auch in Österreich Regelungen geschaffen werden könnten. Auch die EU-Kommission arbeitet an strengeren Vorgaben für Social Media.

Links:
Facebooks Kamagne gegen Fake News
Mimikama
epicenter.works
psiram.com
kobuk.at


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