Ein Akku aus Ziegelsteinen

Written by on 14. August 2020

In Gebäuden schlummert einiges an Energie. Auch wenn die Luft abkühlt, kann die Hauswand noch deutlich wärmer sein – die Mauer dienst also als Wärmespeicher.

Gerade im Sommer macht sich das bemerkbar: Die Nächte in Städten sind dann wesentlich wärmer als in wenig verbauten Gegenden. Diese Speichereigenschaft wollen Wissenschaftler der Washington University in St. Louis nun für die Energiegewinnung nutzen. Als Material benutzten sie dafür handelsübliche Ziegelsteine mit einem Stückpreis von lediglich 65 Cent. Diese wurde mit einer in der Forschung entwickelten Beschichtung versehen. Der wichtigste Bestandteil der Beschichtung sind Nanofasern eines elektrisch leitfähigen Kunststoffs.

Speicherung für Notfälle

Die Ziegelsteine wurden in die flüssige Beschichtung getaucht. Der im Stein enthaltene Rost diente als Katalysator, wodurch die Flüssigkeit aushärtete und sich an der Oberfläche des Ziegels anlegte. Die Polymerbeschichtung hat die Funktion eines stromspeichernden Ionenschwamms – auf diese Weise wird aus einem Ziegelstein eine Batterie. Die Forscher wollen nun ganze Hauswände aus diesen Spezial-Ziegeln errichten. In Verbindung mit z.B. Solarzellen könnte die Spezialwand genug Strom für eine Notbeleuchtung liefern. Laut den Berechnungen der US-Forscher könnten fünfzig Ziegelsteine ausreichen, um die Lampen eines Hauses für fünf Stunden mit Notstrom zu versorgen. Eine ganze Außenfront könnte also sogar mehr als nur einen Notspeicher abliefern.

Steine in der Energiespeicherung

Bisher ist die neue Stromspeichervariante allerdings nicht weit gediegen. Derzeit gibt es gerade einmal den Proof of Concept – einen einzelnen Ziegelstein, der an eine grüne LED-Leuchte angeschlossen ist. Diese kann ohne zusätzliche Stromzufuhr vom Ziegel-Akku betrieben werden. Ob sich die Idee auch auf größere Formate übertragen lässt, muss erst erhoben werden.

Die US-Amerikaner sind nicht die ersten, die sich dieser Art der Energiespeicherung wissenschaftlich nähern. Im Hamburger Hafen wird derzeit ein Verfahren getestet, bei dem die Energie von Windkraft in einem Steinspeicher bewahrt werden soll. In Deutschland werden allerdings keine Ziegel verwendet, sondern 1.000 Tonnen Vulkangestein. Diese sollen ohne Vorbehandlung als Energiespeicher dienen.


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