Coronavirus aus dem Labor?

Written by on 26. März 2020

Eine der beliebtesten Verschwörungstheorien rund um das neuartige Coronavirus besagt, es sei in einem Labor gezüchtet worden. Forscherinnen und Forscher widersprechen dem nun mit stichhaltigen Argumenten.

In China wurde innerhalb kürzester Zeit nach Ausbruch der Epidemie das Erbgut des Erregers SARS-CoV-2 entziffert und die Daten für die Forschung weltweit freigegeben. Jeden Tag werden somit neue Erkenntnisse über das Virus bekannt. Um die These zu widerlegen, der Virus stamme aus einem Labor, konzentrierte sich ein Team um Kristian Andersen am Scripps Research Institute in La Jolla, Kalifornien auf die wesentlichen Unterschiede zum Erbgut früher aufgetretener Coronaviren. Ein Blick auf die Erbinformation für die außen abstehenden Eiweißstoffe (Spike-Proteine) lieferte ein überraschendes Ergebnis: Jener Teil des Spike-Proteins, der sich wie ein Enterhaken in die Außenhaut der Wirtszelle bohrt, ist laut Computersimulationen ein schlechtes Konstrukt. In biochemischen Experimenten jedoch zeigt dieses Protein, wie effektiv es des SARS-CoV-2 macht. Deswegen wird davon ausgegangen, dass keine Forschung, die heutzutge auf solchen Simulationen basiert, für die Entwicklung des neuartigen Virus verantwortlich ist.

Neuartigkeit beim Grundgerüst

Beim Betrachten der molekularen Struktur des Virus kam die Forschergruppe zu dem Schluss, dass SARS-CoV-2 eher den Coronaviren bei Fledermäusen und Schuppentieren ähnelt und weniger jenen bis dato bekannter Corona-Erkrankungen beim Menschen.  Hätte irgendjemand versucht, ein neues Coronavirus im Labor zu entwickeln, hätte er die Entwicklung auf dem Grundgerüst eines Virus aufgebaut, dass bereits dafür bekannt ist, beim Menschen Erkrankungen auszulösen.

Weitere Entwicklung des Virus bisher nur These

Wie der Corona-Erreger in seiner endgültigen Struktur entstanden ist, kann bisher nicht belegt werden. Eine wahrscheinliche Variante ist die Entwicklung bei Tieren wie der Fledermaus. Frühere Corona-Epidemien konnten auf die Übertragung durch Schleichkatzen (SARS) und Kamelen (MERS) zurückgeführt werden. Eventuell war zwischen Fledermaus und Mensch noch ein anderer tierischer Wirt im Spiel, da eine Übertragung von Fledermäusen nicht nachgewiesen werden konnte.

Eine andere Theorie geht davon aus, dass der nun hochgefährliche Virus nach der Ansteckung durch ein Tier noch relativ harmlos war und erst im menschlichen Organismus seine hocheffizienten Spike-Proteine entwickelte.

Welche der beiden Szenarien zutreffe, sei jedoch kaum zu eruieren, so Andrew Rambaut, Forscher an der University of Edinburgh in Großbritannien.

Links:
Artikel im Magazin “Nature”
Aussendung des Scripps Research Institute


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