Corona beeinträchtigt Wetterprognose

Written by on 1. April 2020

Die derzeitige Krise verursacht einen Mangel an Flugdaten, die für die Wettervorhersage entscheidend sind.

Die Umwelt mag sich freuen, dass nun bedeutend weniger Flugzeuge unterwegs sind. Flugzeuge transportieren jedoch nicht nur Fracht und Personen, sondern dienen auch als Datenquelle für Meteorologen. Während eines Fluges werden Informationen zu Temperatur, Druck, Luftfeuchtigkeit und Windverhältnissen in unterschiedlichen Höhen gesammelt und für Prognosemodelle der Wetterforschung zur Verfügung gestellt.

65 Prozent weniger Flüge

Die Messdaten werden von Verkehrsflugzeugen meist während des gesamten Flugs aufgezeichnet und per Funk an die Flugverkehrskontrolle weitergegeben. Jene Fluglinien, die am Programm „Aircraft Meteorological Data Relay“ (AMDAR) teilnehmen, stellen diese Messdaten auch für die Wettervorhersage zur Verfügung. Sie sind ein wichtiger Bestandteil bei der Erstellung weltweiter Prognosemodelle. Deswegen verzeichnet das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) seit Anfang März 65 Prozent weniger Wetterdaten von Flugzeugen. Außerhalb Europas sind die Flüge um 42 Prozent zurückgegangen.

Rückgang von Wetterdaten aus Flugzeugen im März. ©ECMWF

Vertikalprofile aus Wetterdaten

Wieso den Wetterdaten von Flugzeugen besondere Wichtigkeit zukommt, erklärt Nikolas Zimmermann vom Wetterdienst UBIMET: „Beim Wetter stehen Verhältnisse in unterschiedlichen Höhen in Zusammenhang. Wenn man Wettervorhersagen erstellt, arbeitet man von oben nach unten“. Flugzeuge zeichnen während des ganzen Flugs Daten auf, vom Aufstieg, Flug in Reisehöhe und Landung. Auf diese Weise können sogenannte Vertikalprofile zu Temperatur, Druck, Wind und anderen Parametern erstellt werden.

Geringere Datenqualität

Besonders gut lässt sich mit Flugzeugdaten die Wahrscheinlichkeit für ein Gewitter ablesen, so Zimmermann. Je größer die Temperaturunterschiede in verschiedenen Höhenlagen sind, desto labiler ist die Atmosphäre. Die Qualität der Vorhersagen hängt von realen Messdaten ab, bei automatisierten Prognosen seien diese weniger verlässlich.

Auf die allgemeinen Wettervorhersagen habe dies wenig Auswirkungen, meint Zimmermann. Für Bereiche, in denen Höhenmessungen wichtig sind, kann es jedoch problematisch werden. Piloten brauchen etwa präzise Angaben zu verschiedenen Zonen, um Turbulenzen abschätzen zu können. Auch für Wanderer könnte das Risiko steigen, in ein unerwartetes Gewitter zu kommen, wenn der Wetterbericht diese nicht vorhergesagt hat.

Alternativen gestartet

Um weiterhin verlässliche Höhendaten zu bekommen, haben Wetterdienste damit begonnen, mehr Radiosonden an Heliumballons als sonst aufsteigen zu lassen. Verglichen zu den Zahlen von zehntausenden Flügen pro Tag sei diese Maßnahme jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Daten schickt zudem schickt der europäische Satelliten Aeolus, der seit 2018 in der Erdumlaufbahn unterwegs ist. Als erster Satellit misst dieser Windbedingungen in der Atmosphäre mit einem Laser.

Um Ungenauigkeiten in den Prognosen möglichst zu minimieren, gibt es auch eine weitere Möglichkeit. Zimmermann: „Wir haben ein Verfahren namens Hydra entwickelt, bei dem Modelle je nach Region unterschiedlich gewichtet wird.“ Dabei werden verschiedene Prognosemodelle kombiniert. Auch Wetter-Apps wie Windy oder Meteoblue gehen ähnlich vor.

Links:
UBIMET
ECMWF


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