17-Jähriger betreibt erfolgreiche Corona-Webseite

Written by on 30. März 2020

Auf der Webseite ncov2019.live sammelt ein Schüler übersichtliche Daten zum Coronavirus.

Während sich die Welt noch kaum für den Coronavirus interessierte, schuf der 17jährige Avi Schiffmann bereits eine Webseite mit Daten über die neuartige Erkrankung. Er wollte eine unabhängige Seite schaffen, die nicht mit Werbeanzeigen gepflastert sei, so der Schüler in einem Interview mit „Democracy Now“. Weil er sämtlichen Behörden und wissenschaftlichen Einrichtungen mit Statistiken zur weltweiten Entwicklung des Coronavirus zuvorkam, zog die Seite schnell Millionen Nutzerinnen und Nutzer an.

Website-Launch schon 2019

Als im Dezember die ersten Informationen zu Krankheitsfällen aus China drangen, stellte Avi Schiffmann seine Corona-Webseite bereits online. Wahrscheinlich hatte der Schüler aus Seattle in den Weihnachtsferien einfach Zeit: „”Es fing nach Weihnachten als kleines Projekt an. Natürlich ahnte ich da nicht, wie groß das Virus und meine Webseite werden”, so der Teenager.

Inzwischen könne er täglich 20 Millionen User auf der Webseite verzeichnen, im vergangenen Monat zählte er insgesamt 144 Millionen. Die Reaktion der Nutzerinnen und Nutzer in den Kommentaren spornen ihn wohl an, so meint ein Besucher: „Besser als andere Informationsquellen.“

Hoher Grad an Aktualität

Die Webseite ncov2019.live zeigt in übersichtlichen Tabellen die weltweiten Zahlen zur Corona-Pandemie. Unter den „Quick Facts“ werden die globalen Zahlen zusammengefasst, in Tabellen folgen die Daten aller Länder. Die Zahlen werden jede Minute aktualisiert. Außerdem stellt die Seite interaktive Karten und einen Wiki-Bereich mit den wichtigsten Informationen rund um COVID-19 zur Verfügung.

Interesse am Programmieren seit Kindheit

Er habe sich aus Interesse früh das Programmieren selbst beigebracht, so Avi Schiffmann. Mit YouTube-Videos habe er gelernt, ansprechende Webseiten zu erstellen. So übersichtlich die Webseite aussieht, so knifflig war deren Erstellung: Zunächst zapfte er chinesische Regierungsseiten an, da diese als erste Informationen zu Corona bereitstellten. Nach und nach fügte er weitere Quellen hinzu, etwa Nachrichtenseiten, die Seite der CDC (US-Gesundheitsbehörde) oder WHO. Dafür entwickelte er eine eigene „Scraping Software“, die Daten kontinuierlich sammelt und auf seiner Webseite aktualisiert.

Für dieses Hobby ließ er selbst seine andere Leidenschaft, das Skifahren, dieses Jahr sausen.

Statement gegen Fake News 

Der Jungprogrammierer stammt aus einer Familie mit medizinischem Background: Seine Mutter ist Ärztin, sein Vater Medizinjournalist. Ihn selbst interessiere weniger die medizinische Sicht auf das Coronavirus, sondern mehr die Beschaffung von Daten und Fakten. Seine Webseite solle im Zeitalter von Fake News als verlässliche Quelle dienen, so Schiffmann.

Zudem kritisiert er offizielle Webseiten, da diese nicht den Bedürfnissen der Internetnutzerinnen und -nutzer entsprächen. Er bemängelt, dass die behördlichen Webseiten in viel zu großen Abständen Aktualisierungen vornehmen. Die Corona-Infoseite der Johns Hopkins-Universität sei auf mobilen Geräten kaum zu gebrauchen.

Ideen und Projekte

Die Webseite wird nach wie vor weiterentwickelt. Avi Schiffmann will auch komplexere Zusammenhänge abbilden, z.B. die Fallzunahme pro Woche. Er stellt sich auch einen Impfstoff-Tracker mit Forschungsergebnissen vor oder Statistiken über Testungen in verschiedenen Regionen.

Die Ideen dürften ihm noch längere Zeit nicht ausgehen. Der amerikanische Schüler denkt bereits über die Corona-Krise hinaus an eine Webseite namens „GermTracker.com“. In Zukunft möchte Avi Schiffmann seine eigene Firma gründen und „coole Sachen machen, um der Welt zu helfen.“

Links:
Corona-Webseite von Avi Schiffmann


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